30.08.2022

Der Zusammenhang von Angst und Depressionen

Eine Angststörung kann viele Gesichter haben: von einer spezifischen Phobie, also der starken Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer Situation, über Panikattacken bis hin zu übermäßigem sich-Sorgen-machen oder der sozialen Angststörung, bei welcher Betroffene Angst in sozialen und Bewertungssituationen haben. Häufig kommen zu der Angst noch weitere Symptome dazu. Fast zwei Drittel aller Personen mit einer Angststörung berichten von mindestens einer weiteren psychischen Störung, die gleichzeitig auftritt. Besonders häufig treten Angststörungen mit (Symptomen von) Depressionen auf. Abhängig von der jeweiligen Angststörung kann in 30 – 75 % der Fälle auch eine Depression bestehen. Was eine Depression genau ist und warum sie so häufig gemeinsam mit Ängsten auftritt, erfährst du hier. 

Was ist eine Depression?

Depressionen zeichnen sich vor allem durch eine negative Veränderung der Stimmung aus. In der Diagnostik (nach ICD-10) wird unterschieden zwischen einer einzelnen depressiven Episode und einer wiederkehrenden, rezidivierenden depressiven Episode. Diese werden je nach Anzahl der Symptome noch in die Unterkategorien leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episode gegliedert.

Typische Symptome einer Depression sind: 

  • eine niedergeschlagene Stimmung
  • Interessen- oder Freudverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren
  • Antriebslosigkeit oder auch vermehrte Ermüdbarkeit
  • ein Verlust des Selbstwertgefühls oder Selbstvertrauens 
  • Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle
  • Konzentrations- und Denkprobleme oder auch Unentschlossenheit
  • Innere Unruhe oder Verlangsamung
  • Schlafstörungen, Veränderungen des Appetits
  • Suizidgedanken

Die Verbindung zwischen Angst und Depressionen

Warum Ängste und Depressionen häufig gleichzeitig auftreten, ist nicht mit Sicherheit zu sagen und hat verschiedene Gründe. Viele Symptome von Depressionen und Angststörungen ähneln sich oder spielen bei beiden Störungen eine Rolle, wie beispielsweise die innere Unruhe, Schwierigkeiten beim Denken und Konzentrieren oder dem Treffen von Entscheidungen. Auch noch nicht genannte Symptome, wie der soziale Rückzug, sich Sorgen machen oder auch körperliche Beschwerden können bei beiden Störungen auftreten. Natürlich können bei dir auch nur eindeutig ängstliche oder depressive Symptome vorliegen. Die Ähnlichkeit der genannten Symptome kann, muss aber nicht bedeuten, dass beide Störungen gleichzeitig vorliegen, macht ein gemeinsames Auftreten aber möglicherweise wahrscheinlicher. 

Auch ist es möglich, dass Depressionen und Angststörungen ähnliche Ursachen haben, weshalb die beiden Störungen vermehrt miteinander auftreten. Wie Menschen auf bestimmte Belastungen in ihrem Leben reagieren, ist jedoch sehr individuell und von verschiedenen Faktoren abhängig. So können ähnliche Belastungsfaktoren sowohl Depressionen als auch Ängste auslösen. Beispielsweise, wenn Eltern unter Angststörungen oder Depressionen leiden, die familiäre Atmosphäre geprägt von wenig elterlicher Zuneigung ist, unsichere Bindungserfahrungen gemacht wurden, Mobbingerfahrungen oder wenig positive soziale Erfahrungen gemacht wurden oder geringe soziale Kompetenzen entwickelt werden konnten. 

Depressionen können zu Ängsten und Ängste zu Depressionen führen

Häufig beginnen die beiden psychischen Störungen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Und sie können sich beide gegenseitig bedingen. Während einer depressiven Episode leiden viele Betroffene verstärkt unter Ängsten. Typisch sind Zukunftsängste, Versagens- und soziale Ängste, die aus Minderwertigkeitsgefühlen entstehen oder auch Ängste vor alltäglichen Situationen, wie einkaufen gehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Was zunächst eine Folge der Depression ist, kann auch zu einer “echten” eigenständigen Angststörung führen, beispielsweise wenn die Kraft für die Bewältigung von angstbesetzten Situationen fehlt und diese immer häufiger vermieden werden. 

Andersherum können Angststörungen auch Depressionen auslösen. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn wir, bedingt durch die Angststörung, Dinge nicht mehr machen können, die uns eigentlich wichtig sind. Ziehen wir uns sozial zurück und vermeiden das Treffen mit Freund:innen, die schöne Urlaubsreise, Veranstaltungen oder ins Kino zu gehen, schlägt das auf die Stimmung und den Antrieb. Langfristig kann es sein, dass wir uns immer weiter zurückziehen, es uns immer schwerer fällt, uns aufzuraffen und positive Erlebnisse ausbleiben. Das kann eine Depression auslösen.  

Therapie von Ängsten und Depressionen

Um eine psychische Störung mit Psychotherapie behandeln zu können, müssen Behandler:innen eine Diagnose stellen, um die Therapie über die Krankenkassen abrechnen zu können. Letztlich kommt es bei einer Diagnose aber immer darauf an, womit es dir schlecht geht und wodurch du dich belastet fühlst. Eine Therapie ist also immer individuell auf dich abgestimmt. Leidest du unter ausgeprägten Symptomen einer Angststörung und ausgeprägten Symptomen einer Depression, können auch beide Diagnosen gestellt werden. Da beide Störungen aber auch als Folge der jeweils anderen Störung auftreten können, ist es in der Therapie immer wichtig zu wissen, was zuerst da war, damit die Ursache behandelt werden kann. Lag zuerst eine Angststörung vor und hat sich dadurch eine Depression entwickelt, können sich die depressiven Symptome nämlich auch zurückbilden, wenn die Angst behandelt wird. Besteht jedoch eine Depression zuerst und entstehen dadurch Ängste, klingen diese wahrscheinlich auch durch die Behandlung der Depression wieder ab. 

Es kann beängstigend und beunruhigend sein, unter mehreren psychischen Symptomen oder Störungen zu leiden. Aber keine Sorge: es ist nicht grundsätzlich so, dass die Behandlung dadurch erschwert wird. Wichtig ist, alle Symptome genau zu erfassen, um eine Therapie, die auf dich abgestimmt ist, zu erstellen.

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