Artikel vom 
Januar 5, 2022

Gefühle und Emotionen: Ein Überblick

Lesedauer 3 Minuten

Sätze wie “Ich habe das Gefühl, dass es dir nicht gut geht” oder “Ich habe das Gefühl, dass das Wetter morgen gut wird”, sagen wir so oder so ähnlich häufiger. Dabei beschreiben wir hierbei gar nicht unsere wirklichen Gefühle, sondern eher einen Eindruck oder eine Vermutung. Auch Gedanken, Körperwahrnehmungen oder Zukunftsprognosen bezeichnen wir im Alltag fälschlicherweise oft als Gefühle. Da ist es verständlich, dass es nicht immer ganz einfach ist, die eigenen, echten Gefühle wahrzunehmen und damit umzugehen. Dabei sind Gefühle überlebenswichtig, sie steuern unsere Motivation und unser Verhalten. In einigen Situationen können sie aber unangemessen, stark und auch schädlich für uns sein. Es ist daher wichtig, sie überhaupt zu erkennen und zu verstehen. Hier erfährst du, welche Gefühle es gibt und wofür sie gut sind.  

Gefühle und Emotionen – gibt es einen Unterschied?

Beides sind extrem komplexe Phänomene, über deren Definition keine wirklich Einigkeit herrscht. Die meisten Menschen wissen, was Gefühle oder Emotionen sind. Sollen wir sie aber beschreiben, fällt uns das meist schwer. Im Sprachgebrauch wird beides häufig synonym füreinander verwendet. Einige Wissenschaftler unterscheiden aber zwischen ihnen. Emotionen werden dann als die gesamte Reaktion auf äußere oder innere Reize verstanden. Diese beinhaltet Reaktionen des Körpers (z.B. schwitzen, erhöhte Herzfrequenz), des Verhaltens (z.B. Mimik, Gestik, Körperhaltung), der Gedanken (z.B. Bewertung als “bedrohlich”) und das subjektive Erleben der Emotion (also wie du z.B. Angst erlebst). Häufig meint das “Gefühl” nur diese subjektive Erlebniskomponente – ist also ein Teil der Emotion. Wir werden in diesem Artikel nicht zwischen den beiden unterscheiden, sprechen mal von Gefühl und mal von Emotion und schauen uns alle Aspekte an.

Primäre und sekundäre Emotionen

Vielleicht hast du auch schon einmal diese Einteilung gehört: Basis- oder primäre Emotionen beschreiben Emotionen, die in allen Kulturen gleich gezeigt werden und die wahrscheinlich angeboren sind. Dazu werden meist Freude, Trauer, Angst, Überraschung, Ekel und Ärger gezählt. Sie treten als Reaktion auf bestimmten Ereignissen schnell und meist automatisch auf, bleiben nicht lange bestehen und zeigen sich in immer ähnlicher Weise. 

Sekundäre Emotionen sind komplexere Emotionen, die erst später auftreten, wenn ein Verständnis über das Selbst und soziale Beziehungen entwickelt wurde. Sie beruhen auf Vorstellungen und Einstellungen, der Selbsteinschätzung und unseren Werten. Meist beziehen sie sich auf die Beziehung zwischen der eigenen Person und ihrem sozialen Umfeld. Zu ihnen gehören Scham, Schuld, Empathie, Stolz und Verlegenheit. 

All diese Emotionen beschreiben ein Kontinuum der Ausprägung. So kann Angst in einer leichten Ausprägung eine Verunsicherung sein, oder in einer starken Ausprägung Panik. Daher haben wir in unserer Sprache häufig eine Vielzahl von Begriffen für verschiedene Ausprägungen eines Gefühls.

Warum haben wir Gefühle?

Gefühle sichern uns das Überleben. Sie alle sind extrem wichtig und haben verschiedene Funktionen, um uns zu schützen. Häufig bewerten wir Gefühle positiv (z.B Freude), die wir anstreben und negativ, die wir vermeiden wollen (z.B. Angst). Diese Unterscheidung missachtet aber, dass alle Emotionen wichtig sind für uns, und wir keine davon einfach vermeiden sollten! 

Jedes Gefühl hat eine eigene Funktion. Die Angst vor gefährlichen Tieren ist heute vielleicht nicht mehr so relevant wie vor vielen Jahren. Angst hilft uns aber nach wie vor, Gefahren zu erkennen und bereitet uns auf Flucht, Erstarren oder Selbstberuhigung vor. Würden wir keine Angst empfinden, könnten wir Risiken und Gefahren nicht angemessen einschätzen und uns davor schützen.

Überraschung steuert unsere Aufmerksamkeit auf den unerwarteten Reiz, um zu bewerten, ob es sich um etwas bedrohliches handelt. Ekel schützt uns vor ungesunden und giftigen Substanzen und stößt diese aus, wenn wir sie aufgenommen haben. Ärger verspüren wir beispielsweise bei Ungerechtigkeit. Er bereitet und auf Selbstverteidigung, Selbstbehauptung oder auf einen Kampf vor. Trauer oder Traurigkeit hilft uns bei der Bewältigung von Verlusten und Trennungen und bei der Verarbeitung des Erlebten, gleichzeitig hilft uns Trauer auch einer Neuorientierung und Weiterentwicklung. Scham und Schuld sorgen dafür, dass wir die Regeln und Verhaltensweisen einer Gesellschaft einhalten und uns als Teil einer Gruppe verhalten. Freude zeigt uns, dass unsere Bedürfnisse erfüllt wurden. Vorfreude ist dafür da, unsere Motivation entsprechend der zukünftigen Erfüllung unserer Bedürfnisse auszurichten.

Wie du siehst, bestimmen Gefühle viele weitere Prozesse in uns, wie die Motivation, unser Verhalten, unsere Aufmerksamkeit, Entscheidungen und auch unsere Erinnerungen. Andersherum beeinflussen Gedanken und Verhaltensweisen auch wiederum unsere Gefühle. Wie wir damit umgehen, haben wir häufig automatisch und früh in unserer Vergangenheit gelernt. Wer als Kind oft abgewertet wurde, könnte beispielsweise sensibler auf Kritik anderer reagieren, starke Scham entwickeln und sich sozial zurückziehen. Wer für den Ausdruck von Ärger oder Trauer bestraft wurde, versucht vielleicht heute diese Emotionen nicht mehr zu zeigen. Dadurch entstehen sie aber nicht seltener, ganz im Gegenteil, sie können sich sogar verstärken und länger bestehen bleiben und damit schädlich werden. Für den richtigen Umgang mit Gefühlen, müssen diese zunächst jedoch wahrgenommen werden. Erst dann ist eine Bearbeitung (und ein Abklingen) möglich.

Mehr zu Gefühlen und wie du sie wahrnehmen und erkennen kannst, erfährst du im nächsten Artikel.

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Christin Thedens
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