Produktbedingungen Invirto – Die Therapie gegen Angst

Produktbedingungen Invirto – Die Therapie gegen Angst

 § 1 Leistungsangebot

(1) Sympatient bietet über die Webseite invirto.de das Medizinprodukt Invirto – Die Therapie gegen Angst an. Invirto – Die Therapie gegen Angst ist als ein medizinproduktrechtliches System ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse I nach der Medical Device Directive (MDD) 93/42/EWG und erfüllt die Anforderungen des Medizinproduktegesetzes.

(2) Wofür ist Invirto gedacht? (Zweckbestimmung): „Invirto – Die Therapie gegen Angst“ ist ein Medizinprodukt, das eine Softwareanwendung, ein VR-Headset und Kopfhörer umfasst. Das Medizinprodukt bietet Patient:innen psychotherapeutische Informationen und Strategien an, die es ihnen ermöglichen, psychische Störungen (z.B. Angststörungen) selbstständig und ortsunabhängig zu behandeln und deren Symptome zu verringern.

Invirto – Die Therapie gegen Angst darf erst nach einem Kontakt mit medizinischem Fachpersonal eingesetzt werden und ist geeignet für Menschen ab 18 Jahren mit einer der folgenden diagnostizierten Angststörungen (jeweils mit oder ohne begleitende Depression):

  • Agoraphobie mit und ohne Panikstörung
  • Panikstörung
  • Sozialen Phobie

(3) Invirto – Die Therapie gegen Angst besteht aus mehreren Bestandteilen.

    • Die Invirto-App ist eine Smartphone Applikation für Android und iOS. Die Invirto-App ist wie eine klassische Therapie als Kurs mit unterschiedlichen Zielen und Inhalten aufgebaut.
    • Während der Nutzung der Invirto-App wird der Nutzer von PsychotherapeutInnen, PsychiaterInnen oder ÄrztInnen mit psychotherapeutischer Weiterbildung begleitet. Die begleitenden Therapiestunden sind manualisiert und werden gemäß den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen der psychotherapeutischen Versorgung erbracht. Sofern die den jeweiligen Nutzer diagnostizierenden ÄrztInnen oder PsychotherapeutInnen die begleitenden Therapiestunden nicht selbst erbringen, unterstützt Sympatient den Nutzer bei der Suche nach einem geeigneten Arzt/Ärztin oder Psychotherapeut/Psychotherapeutin und stellt sicher, dass die Nutzung von Invirto erst bei Gewährleistung der begleitenden Therapiestunden beginnt. In den insgesamt therapeutischen Gesprächen spricht der Nutzer per Video oder telefonisch mit seinem Therapeuten. Es werden wichtige Übergangspunkte in der Therapie vorbereitet oder nachbesprochen.
    • Dem Nutzer steht zusätzlich über eine Support Hotline das Sympatient Team der Therapiebegleitung für Fragen zur Behandlung zur Verfügung. Die Therapiebegleitung stellt sicher, dass die Therapie reibungslos abläuft.

(4) Die Einzelheiten des Leistungsangebots ergeben sich ferner aus den individuellen Leistungsbeschreibungen der einzelnen vom Therapeuten angeordneten Leistungen und Dokumentationen zur Software, dem Handbuch und den Bedienhilfen.

§ 2 Voraussetzungen der Nutzung und von der Nutzung ausgeschlossene Personen

(1) Voraussetzung für die Nutzung von Invirto – Die Therapie gegen Angst ist die Anmeldung anhand eines Nutzungsprofils, für das eine Registrierung erforderlich ist. Die Registrierung setzt voraus, dass der Nutzer sämtliche in der Anmeldemaske abgefragten Daten wahrheitsgemäß und vollständig an Sympatient übermittelt. Eine Nutzungsvereinbarung nach Maßgabe der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Sympatient und dieser Produktbedingungen kommt nur dann zustande, wenn nicht die Nutzung der Invirto-App gemäß den nachstehenden Bestimmungen ausgeschlossen ist.

(2) Vor der Nutzung müssen die gesundheitlichen Voraussetzungen und die Einschlusskriterien nach vorstehendem § 1 Absatz 2 mit einem Arzt abgeklärt und die nachstehend in den Absätzen 3 und 4 genannten Kontraindikationen ausgeschlossen werden. Sympatient überprüft die Ein- und Ausschlusskriterien nach der Anmeldung des Nutzers in einem Telefongespräch mit dem Nutzer und fordert gegebenenfalls entsprechende Nachweise an.

(3) Die Nutzung des Leistungsangebots ist ausgeschlossen, wenn der Nutzer an einer oder mehreren der nachfolgend aufgeführten Krankheiten (absolute Kontraindikationen) leidet oder wenn beim Nutzer eine solche Krankheit von einem Therapeuten oder Arzt diagnostiziert wurde oder vermutet wird:

  • F00: Demenz bei Alzheimer-Krankheit
  • F01: Vaskuläre Demenz
  • F02: Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
  • F03: Nicht näher bezeichnete Demenz
  • F04: Organisches amnestisches Syndrom, nicht durch Alkohol oder andere psychotrope Substanzen bedingt
  • F05: Delir, nicht durch Alkohol oder andere psychotrope Substanzen bedingt
  • F06: Andere psychische Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit
  • F09: Nicht näher bezeichnete organische oder symptomatische psychische Störung
  • F10: Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol
  • F11: Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide
  • F12: Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide
  • F13: Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika
  • F14: Psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain
  • F15: Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, einschließlich Koffein
  • F16: Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene
  • F17: Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak
  • F18: Psychische und Verhaltensstörungen durch flüchtige Lösungsmittel
  • F19: Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen
  • F20: Schizophrenie
  • F21: Schizotype Störung
  • F22: Anhaltende wahnhafte Störungen
  • F23: Akute vorübergehende psychotische Störungen
  • F24: Induzierte wahnhafte Störung
  • F25: Schizoaffektive Störungen
  • F28: Sonstige nichtorganische psychotische Störungen
  • F29: Nicht näher bezeichnete nichtorganische Psychose
  • F30: Manische Episode
  • F31: Bipolare affektive Störung
  • 2: Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
  • 3: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
  • 0: Blindheit und hochgradige Sehbehinderung, binokular
  • 1: Schwere Sehbeeinträchtigung, binokular
  • 4: Blindheit und hochgradige Sehbehinderung, monokular
  • 5: Schwere Sehbeeinträchtigung, monokular
  • H81: Störungen der Vestibularfunktion
  • H82: Schwindelsyndrome bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
  • 3: Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
  • R42: Schwindel und Taumel
  • I08: Krankheiten mehrerer Herzklappen
  • I09: Sonstige rheumatische Herzkrankheiten
  • I20: Angina pectoris
  • I22: Rezidivierender Myokardinfarkt
  • I25: Chronische ischämische Herzkrankheit
  • I45: Sonstige kardiale Erregungsleitungsstörungen
  • I49: Sonstige kardiale Arrhythmien
  • I50: Herzinsuffizienz
  • I69: Folgen einer zerebrovaskulären Krankheit

(4) Eine Behandlung mit Invirto – Die Therapie gegen Angst ist nach einer Einzelfallprüfung der nachfolgenden relativen Kontraindikationen durch den behandelnden Arzt oder Therapeuten möglich. Falls der Nutzer Bedenken hat oder sich unsicher ist, ob eine der genannten Kontraindikationen auf ihn zutreffen könnte, wendet er sich an seinen Arzt oder Therapeuten.

  • I10-I15: Hypertonie
  • G40-G47: Episodische und paroxysmale Krankheiten des Nervensystems
  • 3: Organische affektive Störungen
  • 4: Organische Angststörung
  • 1: Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Schädlicher Gebrauch
  • 1: Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Schädlicher Gebrauch
  • H90: Hörverlust durch Schallleitungs- oder Schallempfindungsstörung
  • Bei allen Herz-, Kreislauferkrankungen (I00-I99), die nicht in den absoluten Kontraindikationen genannt werden, sollte eine Abklärung und Freigabe durch den behandelnden Arzt bzw. durch einen Kardiologen erfolgen.
  • J40-J47: Chronische Krankheiten der unteren Atemwege
  • Bestehende oder vermutete Schwangerschaft

§ 3 Vertragsschluss, Laufzeit, Kündigung

(1) Die Nutzungsvereinbarung zwischen dem Nutzer und Sympatient kommt wie folgt zustande:

    • im Falle eines Selbstzahlers mit der Rechnungsstellung seitens Sympatient an den Nutzer
    • im Falle der Nutzung der Invirto-App als verordnete digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) mit der Validierung des Freischaltcodes seitens Sympatient
    • im Falle der Teilnahme des Nutzers an dem Besonderen Versorgungsvertrag nach § 140a SGB V mit der Überlassung der vom Nutzer unterzeichneten Teilnahmeerklärung an Sympatient.
  •  

(2) Nach dem Vertragsschluss über die Nutzung von Invirto – Die Therapie gegen Angst erhält der Nutzer das VR-Headset, die Kopfhörer und Zugang zu der Software (App). Die Hardware-Bestandteile werden an die vom Nutzer während der Registrierung angegebene Adresse gesendet.

(3) Sympatient stellt dem Nutzer für die Dauer von 12 Monaten den Zugang zur Invirto-App und zur Hardware zur Verfügung („Nutzungszeit“). Im Rahmen der Nutzungszeit soll der Nutzer alle Inhalte der Invirto-App in therapeutischer Begleitung absolvieren. Der Kurs ist für eine Absolvierung in 8-12 Wochen ausgelegt. Die verbleibende Nutzungszeit von 8-9 Monaten kann der Nutzer für eigenständige Übungen verwenden.

(4) Das Recht zur außerordentlichen Kündigung der Nutzungsvereinbarung aus wichtigem Grund bleibt unberührt.

§ 4 Kosten und Abrechnung

(1) Im Falle der Teilnahme des Nutzers an dem Besonderen Versorgungsvertrag nach § 140a SGB V fallen keine Kosten zu Lasten des Nutzers an.

(2) Im Falle der Nutzung der Invirto-App als verordnete digitale Gesundheitsanwendung fallen keine Kosten für den 12-monatigen Zugang zur Invirto-App, das VR-Headset und die Kopfhörer an. Sofern die den jeweiligen Nutzer diagnostizierenden ÄrztInnen oder PsychotherapeutInnen die begleitenden Therapiestunden nicht selbst erbringen und der Nutzer sich entscheidet die Begleitstunden bei Sympatient zu erwerben, fallen Kosten in Höhe von 417,69 Euro an.

(3) Ist der Nutzer Selbstzahler, fallen einmalige Kosten für den 12-monatigen Zugang zur Invirto-App, das VR-Headset und die Kopfhörer in Höhe von 428,40 Euro an. Desweiteren werden für ein Erstgespräch einschließlich Diagnose und die begleitenden Therapiestunden weitere Kosten fällig. Für das Erstgespräch und die begleitenden Therapiestunden werden jeweils 417,69 Euro, insgesamt also 835,38 Euro, berechnet. Der Gesamtpreis für Selbstzahler beläuft sich demnach auf 1263,78 Euro.

(4) Sympatient stellt die dem Selbstzahler entstehenden Kosten nach dessen Registrierung und Überprüfung der Ein- und Ausschlusskriterien gemäß § 2 Absatz 2 in Rechnung.

§ 5 Pflichten des Nutzers 

(1) Zur eigenen Sicherheit hat der Nutzer die von Sympatient aufgezeigten Übungen mit der gebotenen Sorgfalt und gemäß den Anleitungen von Sympatient und dem behandelnden Therapeuten auszuüben.

(2) Der Nutzer ist verpflichtet, sämtliche medizinischen Konditionen, Krankheiten, körperliche Merkmale o.ä., die auf irgendeine Weise im Widerspruch zu oder nicht im Einklang mit den von Sympatient angezeigten Übungen stehen, Sympatient umgehend zur Kenntnis zu bringen. Dieselbe Meldepflicht des Nutzers besteht, wenn die von Sympatient angezeigte Übungen beinhaltet, die der betreffende Nutzer auf ärztliche oder therapeutische Anordnung hin zu unterlassen hat.