Psychotherapie: Ablauf, Arten und Erwartungen

11.08.2021

Was erwartet mich bei einer Psychotherapie?

Angst ist ganz normal und gehört zum Leben dazu. Sie ist sogar sehr wichtig, um uns zu warnen und vor Gefahren zu schützen. Wenn die Angst aber unbegründet auftaucht, Sorgen dein Leben dominieren und Angst dich in deinem Handeln einschränkt, kann das eine große Belastung darstellen und sich um eine ernstzunehmende Angsterkrankung handeln. Der Weg zu einem oder einer Psychotherapeut:in kann die richtige Entscheidung sein. Doch was erwartet dich da? Welche Arten der Psychotherapie es gibt und wie die Therapie einer Angststörung aussehen kann, verraten wir dir hier.

Erste Schritte

Du fühlst dich durch deine Angst belastet und hast dich dazu entschieden, eine Therapie zu machen. Das ist super! Leider kann es ziemlich mühsam sein, schnell an einen Therapieplatz zu kommen. Viele Betroffene hält die lange Suche nach dem/der richtigen Therapeut:in davon ab, loszulegen. Oder aber, sie fühlen sich dann verpflichtet, bei einem oder einer unpassenden Therapeut:in in Behandlung zu bleiben, weil die weitere Suche schwierig ist. Dennoch ist es eine richtige und gute Entscheidung, sich professionelle Hilfe zu suchen. Deshalb findest du hier Tipps zur Suche nach einem Therapieplatz.

Das Erstgespräch

Einen Termin für eine erste Sprechstunde zu bekommen, kann sehr schnell gehen. Hier lernst du deine:n Therapeut:in kennen, schilderst deine aktuelle Situation, deine Symptome  sowie erste Ziele und Wünsche. In diesem Gespräch kannst du auch klären, welches Therapieverfahren für dich geeignet ist. Die kognitive Verhaltenstherapie erzielt in der Behandlung von Angsterkrankungen die höchste Wirksamkeit. Aber auch für psychodynamische Verfahren (Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) liegen Wirksamkeitsnachweise vor. Eine medikamentöse Behandlung kann zusätzlich sinnvoll sein. Dein:e Therapeut:in kann dir hierzu erste Tipps geben und dir gegebenenfalls eine:n Psychiater:in oder Ärzt:in empfehlen. Sind deine Symptome stark einschränkend und akut, kann es sein, dass eine ambulante Therapie nicht ausreicht und du dich besser zunächst stationär im Krankenhaus oder teilstationär in einer Tagesklinik behandeln lassen solltest.

Die Unterschiede der Behandlungen im Überblick:

stationär: Aufenthalt meist einige Wochen mit Übernachtung in einer Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychotherapie. Es gibt spezialisierte Stationen, auf denen nur Angsterkrankungen behandelt werden. Eine stationäre Behandlung beinhaltet nicht nur Gesprächstherapie im Einzel- und Gruppensetting, sondern auch Angebote wie Entspannung, Ergotherapie, Kunst- oder Musiktherapie. Meistens gibt es einen festen Tagesrhythmus und Therapieplan.

teilstationär: Aufenthalt meist einige Wochen. Tagsüber bist du in der Tagesklinik, die Nächte und das Wochenende verbringst du zu Hause. Auch hier gibt es neben Therapiegesprächen auch komplementäre Angebote in einem festen Zeitplan. 

ambulant: Therapie findet im Einzel- oder Gruppensetting meist einmal die Woche statt. Du kannst deinen Alltag ganz normal weitermachen, und gehst einmal die Woche zu deine:r Therapeut:in in die Praxis. 

digital: auch digitale Therapien werden inzwischen angeboten, diese kannst du häufig flexibel gestalten und von überall aus machen.

Probatorische Sitzungen 

Hast du im Erstgespräch eine Empfehlung für eine ambulante Psychotherapie bekommen (und in dieser Praxis ist kein freier Therapieplatz), kannst du dir eine:n Therapeut:in suchen. Wenn du einen freien Therapieplatz gefunden hast, finden mit dem oder der Therapeut:in zunächst bis zu vier sogenannte probatorische Sitzungen statt. Diese “Probestunden” sind dafür da, herauszufinden, ob die Chemie zwischen Therapeut:in und dir stimmt, um eine genaue Diagnostik durchzuführen und Ziele für die Therapie zu formulieren. Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig, um eine gute Basis für die genaue Erfassung der Symptome und Problembereiche zu schaffen. Wenn du kein gutes Gefühl hast und die Beziehung nicht stimmt, kannst du dich natürlich für jemand anderen entscheiden! 

Ablauf einer Psychotherapie

Am Anfang der Therapie wird es zunächst um die sogenannte Problemerklärung gehen. Dein:e Therapeut:in wird viele Fragen stellen, um genau zu verstehen, wann deine Angst auftritt. Fragen zu deiner Biographie sind ein weiterer wichtiger Teil dieser Phase, denn deine aktuelle Symptomatik wird in den Kontext des Erlebten eingeordnet. Was du in der Vergangenheit für Erfahrungen (mit Ängsten) gemacht hast, wie du aufgewachsen bist und was du für Werte hast – all das sind Aspekte, die beeinflussen können, wie du heute bist. 

Gemeinsam werdet ihr so erarbeiten, wie die Ängste bei dir entstanden sind, warum sie bisher nicht von allein verschwunden sind (z.B. durch Vermeidungsverhalten) und was du in der Therapie lernen möchtest, um besser mit ihnen umzugehen.

Natürlich ist keine Therapiestunde gleich und die Inhalte variieren je nach Störungsbild (Agoraphobie, Panikstörung, soziale Phobie, usw.). Der Ablauf innerhalb einer Stunde ist aber typischerweise ähnlich: zunächst werden aktuelle Themen besprochen. Dazu können beispielsweise akute Krisen oder “Hausaufgaben” der letzten Woche zählen. Als nächstes werden psychotherapeutische Interventionstechniken erarbeitet und eingeübt. Diese sind individuell auf dich abgestimmt. Dazu zählen z.B. die Wissensvermittlung über eine Störung, Übungen zur Konfrontation mit der Angst, oder das Sichtbarmachen von Gedanken, die dich zurückhalten. Am Ende der Stunde gibt es üblicherweise eine “Hausaufgabe” für die nächste Woche, womit das Gelernte zu Hause weiter verinnerlicht werden soll.

Was kann ich erwarten?

In einer Therapie ist deine aktive Mitarbeit gefragt. Dein:e Therapeut:in löst nicht deine Probleme, sondern gibt dir Hilfe zur Selbsthilfe. Ziel ist es, dass du deine Verhaltensmuster verstehst und Strategien lernst, mit denen du schwierige Situationen bewältigen kannst. Dies bedeutet Arbeit und kann anstrengend sein. Gerade bei Konfrontationsübungen kann die Angst zunächst schlimmer werden. Das ist ein ganz normaler Prozess, da du dich aktiv mit Situationen auseinander setzt, die du vorher möglicherweise vermieden hast. Überprüfe auch unrealistische Erwartungen und Leistungsansprüche. Eine Therapie kann von einigen Monaten bis hin zu Jahren dauern. Gib dir Zeit.

Fazit

Das mag nach einem schweren Weg klingen, aber es lohnt sich eine Therapie zu machen. Je früher du dir Hilfe suchst, desto wahrscheinlicher ist eine erfolgreiche Behandlung. Und der Erfolg einer Psychotherapie hält meist auch lange nach Abschluss der Therapie an. Es kann manchmal etwas dauern, eine:n passenden Therapeut:in zu finden. Wenn du nicht lange warten möchtest, können Online-Angebote wie die Invirto Therapie dir helfen. Diese kannst du in deinem eigenen Tempo flexibel von zu Hause absolvieren und nach einem Erstgespräch sofort beginnen. 

Weiterführende Links und Quellen:

Patientenversion Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen

S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (Bandelow, B. et al., 2014)

Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen (Ströhle, Gensichen, Domschke, 2018)

Die Behandlung der Angsterkrankungen. Teil 1: Panikstörung, Agoraphobie, generalisierte Angststörung, soziale Phobie, spezifische Phobien  (Keck, M. E., Ropohl, A., Rufer, M., Hemmeter, U. M., Bondolfi, G., Preisig, M., … & Seifritz, E. (2011)

Foto von SHVETS production von Pexels

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