Lockdown-Ende – und jetzt?

23.07.2021

Nach dem Lockdown meldet sich deine Angst zurück?

Die Zeit im Lockdown ist erstmal vorüber. Viele Geschäfte haben geöffnet, Outdoor-Aktivitäten sind wieder möglich und sich mit Freunden und der Familie zu verabreden ist nicht mehr ganz so schwierig, wie ein paar Monate zuvor. Für die meisten Menschen ist das ein langersehnter Hoffnungsschimmer! 

In der Realität steht es jedoch erstmal etwas anders aus. Anstehende Verabredungen, geöffnete Fitnessstudios oder die Rückkehr ins Büro – all das mündet in Freizeitstress, Druck und Unsicherheit: Muss ich überall dein sein und vor allem, wie verhält man sich nochmal in einer Gruppe? 

Den meisten Menschen geht es momentan so. Und das ist nicht verwunderlich, nach den letzten Monaten, die wir durch die gesellschaftlichen Einschränkungen viel zu Hause verbracht haben. Achtet man jedoch auf seinen Körper und gewöhnt sich Schritt für Schritt an die neuen Möglichkeiten, kann man wieder in einen ähnlichen Alltag, wie vor dem Lockdown, zurückfinden.

Für Betroffene einer Angststörung ist das Ende des Lockdowns jedoch etwas schwieriger. Der Alltag ist wieder annähernd der alte, doch die Symptome deiner Angststörung werden plötzlich stärker? 

Wie du es schaffst, die neue Situation als Chance zu sehen und wieder leichter in den Alltag zurückzufinden, erklären wir dir hier!

Lockdown-Ende – und jetzt?

Für Betroffene einer Angststörung kann diese Zeit eine ziemliche Herausforderung sein. Gerade Betroffene einer sozialen Phobie berichten, dass es Ihnen während des Lockdowns etwas besser ging. Denn angstauslösende Situationen konnten, aufgrund der gesellschaftlichen Einschränkungen, weitestgehend vermieden werden.

Genauso haben auch Betroffene einer Agoraphobie oder Panikstörung den Schutz ihres Zuhauses als sehr beruhigend empfunden. Mit dem Zug oder Auto zur Arbeit zu fahren, war aufgrund von Homeoffice für die meisten nämlich erstmal nicht mehr notwendig.

Während der Zeit des Lockdowns wurden deine eigenen vier Wände noch mehr zu einer sicheren Zone, deinem Safe Space. Mit Situationen, die deine Ängste auslösen warst du seltener konfrontiert, sodass die Angststörung etwas in den Hintergrund gerückt ist – das war ziemlich entlastend, oder? 

Doch nun steigt der Druck wieder. Denn die ein oder andere Einladung für ein Treffen im Park oder zu einer Geburtstagsfeier hat dich bestimmt schon erreicht. Einfach so weitermachen, wie vor dem Lockdown ist aber gar nicht so einfach, wie du vielleicht bei dir gemerkt hast. Es fühlt sich nun möglicherweise so an, als stündest du vor einem großen, unüberwindbaren Berg. 

Doch dieser Berg ist kleiner, als er im ersten Moment erscheint. Denn wenn du versuchst die neue Situation anzunehmen und als Chance zu sehen, fällt es dir bestimmt leichter durch deinen Alltag zu gehen.

Gewöhn dich langsam an die neue Situation

Viele Menschen berichten derzeit davon, sich von der Rückkehr in den neuen Alltag überfordert zu fühlen – ganz unabhängig davon, ob sie eine Angststörung haben oder nicht: Wie führt man nochmal richtig Smalltalk? Wie verhält man sich in einer Gruppe? Was muss man beim U-Bahnfahren beachten?

Die vielen “neuen” Situationen lösen bei den meisten Menschen eine anfängliche Unsicherheit aus. Doch die legt sich schnell wieder, man muss sich nur erstmal wieder daran gewöhnen unter Menschen zu sein und sich ins Gedächtnis rufen, wie man sich in bestimmten Situationen richtig verhält. Für alle ist es gerade noch eine etwas ungewohnte Situation. Doch mit etwas Übung finden wir wieder zurück in die Normalität. Du bist also nicht allein! 

Suche dir Momente zum Krafttanken

Es lohnt sich die Frage zu stellen: Kann ich die neu gewonnene Freiheit auch nutzen, um Kraft zu tanken? Denn nicht alles, was jetzt wieder möglich ist, muss “bedrohlich” sein.

Vielleicht tut es dir gut, ein paar Bahnen im Schwimmbad zu schwimmen, Joggen zu gehen, raus in die Natur zu fahren oder in Ruhe durch Buchhandlungen zu stöbern. Genauso gut können auch Treffen mit Freund:innen Kraft geben und wie Balsam für die Seele wirken. Bestimmt fällt dir auch etwas ein, was dir gut tut und nun wieder möglich ist. 

Wenn du deinen Fokus auf diese positiven Situationen legst, kann es dabei helfen, den angstauslösenden Situationen nicht so viel Raum zu geben und gleichzeitig Kraft für den Umgang mit deiner Angst zu tanken.

Sieh die neue Situation als Chance

Auch wenn wir gerade in in einer Zeit leben, in der sich die Situationen und damit unser Alltag schnell ändert, hilft es die neuen Situationen immer als Chance zu sehen.

Denn so merkt man schnell: Vielen fallen die Veränderungen schwer, nicht nur einem selber!

Und wichtig zu erwähnen ist auch: Vielleicht ging es manchen Menschen etwas besser während der Lockdown-Zeit, doch für Viele war diese Zeit auch eine zusätzliche Belastung durch Ängste und Sorgen um Familie, Freunde oder die eigene Existenz sowie der Furcht vor einer Ansteckung.

Umso schöner ist es, wenn man nun durch die Lockerungen wieder Möglichkeiten hat, positive Ablenkung zu finden und Kraft schöpfen kann.

Wenn du allerdings merkst, dass die Angst zu stark wird und dein Alltag sehr eingeschränkt bleibt, ist der beste Weg, dir professionelle Hilfe zu suchen. Wende dich dafür an deinen oder deine Ärzt:in, Psychotherapeut:in oder Psychiater:in.

Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

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