Artikel vom 
September 15, 2021

Mit der richtigen Ernährung gegen Angststörungen?

Lesedauer 4 Minuten

Das kennst du vielleicht: Stress, Angst und Nervosität können auf den Magen schlagen. Der Bauch grummelt oder schmerzt, der Appetit verändert sich. Die psychische Verfassung wirkt sich auf den Körper und den Bauch aus, das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Doch das funktioniert auch andersherum: Unser Körper, also auch der Bauch, Magen und Darm beeinflussen ebenso die Psyche. Nicht ohne Grund sehen wir, dass in Filmen Eis und Schokolade gegen Liebeskummer gegessen werden. Die Bezeichnung “comfort food” (dt. etwa Nervennahrung oder Trostessen) kommt nicht von ungefähr. Ernährung kann einen direkten Einfluss auf unsere Stimmung haben. Können bestimmte Lebensmittel also auch gegen Angstzustände oder Panikattacken helfen? Antworten darauf findest du hier.

Ernährung und Lebensstil

Etwa jeder vierte Mensch leidet irgendwann im Leben einmal an einer Angststörung. Mit Ängsten zu leben kann sehr belastend sein. Alltagssituationen zu bewältigen stellt für betroffene Menschen häufig ein großes Problem dar. Abhilfe schaffen kann Psychotherapie, zudem sind zahlreiche Medikamente gegen Angstzustände auf dem Markt. Doch auch eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf und wenig Stress kann helfen, Ängste zu reduzieren, ihnen vorzubeugen oder sogar die Notwendigkeit von Medikamenten zu verhindern. Wir haben bereits über die positiven Auswirkungen von Entspannungstechniken und Bewegung auf Ängste gesprochen. Aber auch eine gesunde Ernährung kann Angstzustände reduzieren. 

Ergebnisse aus der Forschung

Eine gesunde Ernährung kann das Risiko zahlreicher körperlicher Erkrankungen, beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs verringern. Aber auch auf die psychische Gesundheit kann sich die Ernährung auswirken. Und andersherum wirkt sich die Psyche auf die Wahl der Nahrungsmittel aus. Viele Menschen greifen bei Stress häufig zu fettreichen, zuckerhaltigen Nahrungsmitteln, vielleicht kennst du das auch. Diese “comfort foods” können tatsächlich kurzfristig das Stresslevel und sogar Ängste reduzieren. Langfristig haben sie jedoch sehr negative Folgen, die neben körperlichen Problemen auch die Entwicklung von Angststörungen fördern können. 

Wissenschaftliche Studien zeigten, dass eine gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten die Wahrscheinlichkeit einer Angststörung oder Depression verringern kann. Eine Ernährung mit hoch verarbeiteten, fett- und zuckerreichen Lebensmitteln kann im Vergleich dazu die Entstehung psychischer Störungen begünstigen. Auch bei Kindern und Jugendlichen gibt es diese Verbindung: Kinder und Jugendliche, die sich ungesund ernähren weisen häufiger Angststörungen und Depressionen auf, als Kinder und Jugendliche, die sich gesünder ernähren. Zudem scheinen sich bereits die Ernährungsgewohnheiten von Schwangeren auf die spätere psychische Verfassung des Kindes auszuwirken. 

Aber nicht nur, was wir essen, kann unsere Ängste beeinflussen, sondern auch wie wir essen. Regelmäßige Mahlzeiten helfen, eine Routine (und somit Sicherheit) in den Tag zu bringen. Sie stellen außerdem sicher, dass der Körper mit ausreichend Nährstoffen versorgt ist. Dies sind zwei wichtige Aspekte bei Angststörungen. Unregelmäßige und zu große Mahlzeiten hingegen können zu Heißhungerattacken führen, den Körper stressen und uns müde und ängstlicher machen. 

Wie wirkt sich die Ernährung auf Angststörungen aus?

Dass eine falsche Ernährung psychische Erkrankungen begünstigt, kann verschiedene Ursachen haben. Die Ernährung wirkt sich beispielsweise auf das Immunsystem, oxidative Prozesse, den Hormonhaushalt, die Darmflora und wichtige Gehirnfunktionen aus. Eine schlechte Ernährung begünstigt Entzündungsprozesse im Körper, welche auf eine Dysregulation des Immunsystems hindeuten. Zudem kann eine falsche Ernährung mit einem Mangel an wichtigen Nährstoffen einhergehen, welcher die Produktion bestimmter Neurotransmitter im Gehirn hemmen kann. Werden viele fett- und zuckerreiche Nahrungsmittel konsumiert, kann das bestimmte Proteine beeinflussen, die für die Entwicklung des Gehirns wichtig sind, wie das Signalmolekül BDNF (brain-derived neurotrophic factor). All diese Mechanismen können sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken und Angststörungen und Depressionen begünstigen. Gleichzeitig ist es andersherum so, dass eine gesunde Ernährung sich positiv auf diese Mechanismen und Systeme auswirkt. Ein gesunder Lebensstil mit wenig Stress, ausreichend Schlaf und einer gesunden Ernährung kann also der Entstehung psychischer Störungen entgegenwirken, oder vorhandene Symptome verringern. 

Welche Lebensmittel können dir helfen?

Eine “gesunde” Ernährung sieht nicht für alle Menschen gleich aus, bezieht sich hier aber generell auf die Integration von viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, wenig Fisch und Fleisch und den Verzicht von vielen verarbeiteten Produkten. Diese Nahrungsmittel enthalten wichtige Vitamine, Mineralstoffe und auch sekundäre Pflanzenstoffe, wie Polyphenole. Diese haben entzündungshemmende, neuroprotektive und präbiotische Eigenschaften und wirken sich positiv auf die Psyche aus. Bestimmte Vitamine (z.B. B-Vitamine), Fettsäuren (z.B. Omega-3-Fettsäuren), Mineralstoffe (z. B. Zink, Magnesium) und Ballaststoffe können ebenfalls vor psychischen Erkrankungen schützen. Bezüglich Angststörungen scheint die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren sehr bedeutend zu sein, während Zink und Magnesium günstig für die Verringerung von Depressionen und Ängsten sein könnten. 

Aber Achtung: “Viel hilft viel” sollte nicht das Motto sein. Greife nicht gleich zu Nahrungsergänzungsmitteln mit den genannten Stoffen. Es ist möglich, bestimmte Nährstoffe zu überdosieren, was auch schädlich sein kann. Solltest du den Verdacht auf einen Mangel an bestimmten Nährstoffen haben, beispielsweise durch eine bestimmte Art der Ernährung oder Lebensmittelunverträglichkeiten, sprich vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber. Auch eine Ernährungsberatung kann hilfreich sein, wenn du dir unsicher bist oder Fragen hast.

Es ist nicht möglich, eine Angststörung allein mit bestimmten Lebensmitteln zu behandeln. Solltest du unter einer Angststörung leiden ist die beste Behandlungsmöglichkeit eine Psychotherapie. Die Invirto Therapie kann dir hier weiterhelfen: sie ist eine digitale Psychotherapie für Menschen mit Angststörungen, die von überall und im eigenen Tempo absolviert werden kann. Dennoch hat die Ernährung einen großen Einfluss auf Körper und Seele und kann dich bei der Überwindung deiner Ängste unterstützten. Wichtig ist eine gesunde Ernährung, mit vielen frischen und unverarbeiteten Produkten. 

Wir helfen bei deiner Angst: Invirto ist eine digitale Angsttherapie und vereint dabei alle wirksamen Bestandteile einer klassischen Behandlung: wirksame Inhalte, echte Therapeut:innen und Konfrontationsübungen. Wenn du mehr über die Invirto Therapie erfahren willst, informiere dich auf unserer Homepage oder nimm Kontakt zu uns auf.
Christin Thedens
Eine psychische Erkrankung kommt häufig nicht allein? Was es bedeutet, mehrere Diagnosen zu haben

Lesedauer 2 Minuten Komorbidität wird definiert als das gemeinsame Auftreten mehrerer (psychischer) Störungen bei einer Person in einem bestimmten Zeitraum.

Weiterlesen
Scham- und Schuldgefühle im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen

Lesedauer 4 Minuten Was sind Scham- und Schuldgefühle bei psychischen Erkrankungen, warum empfinden wir die Emotionen und wie kannst du damit umgehen?

Weiterlesen
Ratgeber und Selbsthilfebücher bei Ängsten – ein Überblick

Lesedauer 4 Minuten Neben Psychotherapie sind auch Ratgeber und Selbsthilfebücher hilfreich und können dir helfen, deine Ängste zu bearbeiten.

Weiterlesen
crosschevron-down