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Februar 21, 2022

Eine psychische Erkrankung kommt häufig nicht allein? Was es bedeutet, mehrere Diagnosen zu haben

Lesedauer 2 Minuten

Die Diagnose einer psychischen Störung zu erhalten, ist für einige Menschen eine große Erleichterung. Endlich Klarheit zu bekommen und zu wissen, wie ihnen geholfen werden kann ist beruhigend. Doch eine psychische Störung kommt häufig nicht allein. Einige Menschen haben mit mehreren psychischen Störungen gleichzeitig zu kämpfen. Und diese sogenannte Komorbidität ist gar nicht so selten: etwa die Hälfte aller Patient:innen berichten von zwei oder mehr psychischen Störungen. Das kann beunruhigend sein und stellt nicht nur eine besondere Belastung für die betroffenen Personen und ihr Umfeld dar, sondern ist auch eine Herausforderung für die Diagnostik und die Therapie. Was Komorbidität genau ist und wie es dazu kommen kann, erfährst du hier.

Was versteht man unter Komorbidität?

Komorbidität wird definiert als das gemeinsame Auftreten mehrerer (psychischer) Störungen bei einer Person in einem bestimmten Zeitraum. Dabei kann es sich um das Auftreten zweier oder mehrerer Störungen aus derselben Störungsgruppe handeln, also beispielsweise der sozialen Phobie und der Generalisierten Angststörung. Es ist aber auch möglich, dass Störungen aus verschiedenen Störungsgruppen gemeinsam auftreten, also beispielsweise eine affektive Störung wie z.B. die Depression und eine Persönlichkeitsstörung.

Wenn zusätzlich zu einer oder mehreren psychischen Störungen auch eine körperliche Erkrankung auftritt, spricht man von Multimorbidität.

Das Auftreten von komorbiden Störungen

Wie bereits erwähnt, ist Komorbidität gar nicht so selten. Bei etwa der Hälfte aller Patient:innen treten über einen Zeitraum von einem Jahr zwei oder mehr psychische Störungen gemeinsam auf. 

Komorbiditäten können bei allen Menschen und Störungen auftreten, doch gibt es bei einigen Störungen höhere Komorbiditätsraten, wie z.B. bei Angststörungen, Depressionen oder Substanzkonsumstörungen. Auch ist ein Geschlechterunterschied erkennbar: Frauen sind im Vergleich zu Männern stärker belastet, sie weisen häufiger Doppel- und Mehrfachdiagnosen psychischer Störungen auf. Es ist jedoch nicht klar, ob das beispielsweise daran liegt, dass Frauen häufiger ärztliche oder therapeutische Hilfe aufsuchen, oder dass Frauen häufiger an Störungen leiden, die höhere Komorbiditätsraten aufweisen (wie es z.B. bei affektiven und Angststörungen der Fall ist). 

Wie kann es dazu kommen? Ursachen für Komorbidität

Bei körperlichen Erkrankungen wird davon ausgegangen, dass sie sich eindeutig voneinander unterscheiden und abgrenzen lassen. Auch bei psychischen Störungen ist das der Fall. Aufgrund bestimmter Symptome werden Personen zu einer Kategorie, also einer Diagnose (z.B. Agoraphobie) in einem Klassifikationssystem (hier dem ICD-10) zugeordnet, die sich von anderen Diagnosen abgrenzt. Ist die Symptomatik einer Person komplex, kann das dazu führen, dass eine Person mehrere Diagnosen bekommt. Auch weil in den gängigen Klassifikationssystemen ICD und DSM viele Symptome bei mehreren psychischen Störungen vorkommen. Da die Komorbidität bei psychischen Störungen offenbar eher die Regel als eine Ausnahme ist, ist eine Kritik der Klassifikationssysteme, dass sich psychische Störungen gar nicht so eindeutig voneinander unterscheiden lassen, sondern häufig überlappen.

Eindeutige Ursachen dafür zu finden, warum einige Menschen generell anfälliger für psychische Störungen sind, ist schwer. Warum reagieren Menschen unterschiedlich, wenn sie der gleichen Belastungssituation (z.B. der Verlust eines Arbeitsplatzes) ausgesetzt sind? Einige entwickeln danach vielleicht eine Depression, andere eine Angststörungen und wieder andere gleich mehrere psychische Störungen. Das hängt sowohl mit unserer Genetik, als auch mit biologischen Faktoren und individuellen Erfahrungen in der Vergangenheit zusammen. Es kann beunruhigend sein, eine oder gleich mehrere psychische Störungen diagnostiziert zu bekommen. Wichtiger ist jedoch, dass alle Symptome und Probleme richtig erfasst und verstanden werden, damit eine Therapie individuell angepasst werden kann.

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Christin Thedens
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