Artikel vom 
Juni 20, 2022

Achtsamkeit – Was ist das?

Lesedauer 5 Minuten

Achtsamkeit ist in aller Munde. Doch es steckt mehr dahinter, als nur eine Modeerscheinung. Achtsamkeit hilft uns, im Hier und Jetzt anzukommen, zu genießen, die eigenen Empfindungen besser wahrzunehmen und das Leben zu entschleunigen. Etwas, das in der heutigen schnelllebigen Zeit besonders wichtig ist. Achtsamkeit kann Stress reduzieren, die Lebensqualität steigern und sogar Krankheiten vorbeugen. Was hinter dem Konzept steckt und wieso Achtsamkeit so wichtig für uns ist, erklären wir dir hier.

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit beschreibt einen Prozess der Aufmerksamkeit, die absichtsvoll, nicht wertend und bewusst auf den aktuellen Moment gerichtet ist. Achtsam sein ist also eine aktive Entscheidung, die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu lenken und das gesamte Erleben im “Hier und Jetzt” wahrzunehmen, mit allem, was dazugehört: Sinneseindrücke, Gefühle, Gedanken, Handlungsimpulse und Bedürfnisse. Diese werden jedoch nur wahrgenommen, ohne sie zu bewerten (“da ist Trauer”), somit bleiben wir offen dafür, was der Moment noch bereithält. Denn es hilft uns, unseren “Autopiloten” mit automatischen Gedanken, Gefühlen, Grübeleien und Handlungen auszuschalten. 

Achtsamkeit bedeutet, sich dem unmittelbaren Augenblick mit einer nicht wertenden, annehmenden Haltung zuzuwenden – dem, was wir gerade tun, ohne in Grübeleien, Erinnerungen oder Zukunftsplänen gefangen zu sein. Man ist einverstanden mit dem, was gerade ist – unabhängig davon, ob eine Situation gerade angenehm oder unangenehm ist.

Jon Kabat-Zinn

Das Konzept der Achtsamkeit (im Englischen mindfulness) stammt ursprünglich aus dem Buddhismus, einer 2500 Jahre alten Weltreligion. Achtsamkeit wird im Buddhismus als ein Mittel gesehen, um Leid zu überwinden. Erinnerung: Leid entsteht, wenn gegen Empfindungen angekämpft wird, die mit unvermeidbarem Schmerz im Leben (z.B. durch Streit, Tod usw.) zusammenhängen und diese somit nicht bewältigt werden können. Teil der Achtsamkeit ist daher auch immer die Akzeptanz der gegenwärtigen Erfahrungen. Achtsamkeit bezieht sich auf den Körper und Geist, mit allen Eindrücken und Empfindungen. Im Buddhismus wird in regelmäßigen meditativen Übungen die Fähigkeit zur Achtsamkeit geübt. 

Das Konstrukt der Achtsamkeit ist jedoch nicht an den spirituell-religiösen Kontext gebunden, sondern kann davon losgelöst und neutral als eine innere Haltung oder Form von Aufmerksamkeit gesehen werden. Die Praxis von Achtsamkeit ist somit für alle Menschen geeignet, unabhängig von Alter, Geschlecht, Gesundheit oder spirituell-religiöser Ausrichtung. Und das Beste ist: Achtsamkeit zu üben (und zu trainieren) ist ganz einfach. Du kannst dir Achtsamkeit wie eine Art “Gehirn-Muskel“ vorstellen: mit regelmäßiger Übung wird er immer besser und Achtsamkeit fällt leichter. Doch warum sollten wir das tun?

Warum ist Achtsamkeit so wichtig?

Die Bedeutung von Achtsamkeit wird klar, wenn wir uns vor Augen führen, dass wir im Grunde selten achtsam und im Hier und Jetzt leben. Die Welt dreht sich schneller als jemals zuvor und oft hetzen wir im Alltag von A nach B. Wir planen morgens schon, was nachmittags erledigt werden muss und nachmittags, was die nächsten Tage ansteht. Gedanklich sind wir selten wirklich bei dem, was wir gerade tun. Die allermeiste Zeit vergessen wir, im Hier und Jetzt zu sein, übersehen, was aktuell in diesem Augenblick geschieht. Zusätzlich dazu sind wir oft auch gar nicht offen für unsere Erfahrungen im aktuellen Moment, sondern bewerten diese unverzüglich. Wir denken beispielsweise, keine Zeit zu haben, um im aktuellen Moment zu sein oder verdrängen unangenehme Gefühle und Bedürfnisse. 

Das ist nicht nur schade, da wir somit verpassen in der “echten” Realität zu leben, sondern häufig in der Vergangenheit oder Zukunft feststecken. Es verursacht auch Stress, der sich negativ auf unsere Gesundheit auswirkt. Chronischer Stress kann wiederum zu Burnout, Depressionen, Angststörungen und vielen körperlichen Erkrankungen führen. 

Zudem hilft uns ein solcher Lebensstil nicht, um glücklicher oder zufriedener zu werden. Wandert unser Geist ständig umher und bewertet dabei alles, was ihm widerfährt, schränkt uns das in unserer Freiheit, Offenheit und Spontanität ein. Glücklicher macht es uns, wenn wir mit unserer Wahrnehmung und unserer Gedanken bei dem sind, was wir gerade tun, wenn wir offen für den gegenwärtigen Moment und die damit zusammenhängenden Gefühle und Gedanken sind. Achtsamkeit fördert die Wahrnehmung von eigenen Gefühlen und Bedürfnissen und hilft uns selbst und anderen liebevoller gegenüberzutreten. Das bestätigt auch die wissenschaftliche Forschung.

Die Wirkung und Wirksamkeit von Achtsamkeit

Tatsächlich erfreut sich die Achtsamkeit in den letzten Jahren in der westlichen Welt völlig zurecht einem Aufschwung. Denn es bringt eine Menge Vorteile, Achtsamkeit zu üben bzw. zu leben. Auch die wissenschaftliche Forschung hat sich lange und intensiv mit dem Thema beschäftigt. Wir haben bereits genannt, dass Achtsamkeit Stress reduzieren kann. Das passiert beispielsweise durch die körperlichen Veränderungen, die (vor allem mit Achtsamkeitsübungen wie Meditation) stattfinden. Sie kann zur Verlangsamung und Gleichmäßigkeit der Atmung führen, die Herzschlagfrequenz vermindern, den Sauerstoffverbrauch reduzieren, den Blutdruck senken, Muskeln entspannen und das Stresshormon Kortisol reduzieren. Menschen, die regelmäßiger Achtsamkeit praktizieren, zeigen zudem eine bessere Lernleistung und Konzentrationsfähigkeit und weniger Schmerzen.

Auch auf psychischer Ebene zeigen sich viele positive Auswirkungen durch die regelmäßige Praxis von Achtsamkeit. So konnte gezeigt werden, dass Menschen, die Achtsamkeit praktizieren, weniger gestresst sind, über eine bessere Emotionsregulation verfügen (also bspw. besser mit ihren schwierigen Emotionen umgehen können) und generell mehr positive Emotionen und auch unterstützende soziale Beziehungen in ihrem Leben wahrnehmen. Achtsamkeit kann nachweislich Depressionen (bzw. damit zusammenhängende Symptome) verbessern, den Schlaf fördern, zu weniger Ängstlichkeit führen und ganz allgemein das Wohlbefinden steigern. Auch bei bereits bestehenden psychischen Störungen, wie Depressionen, Sucht und Ängsten kann Achtsamkeit eine gute Wirkung erzielen! 

Wie du siehst, gibt es eigentlich keinen Grund, es nicht zumindest mal auszuprobieren. Das Praktizieren von Achtsamkeitsübungen hat so gut wie keine Nebenwirkungen. Außerdem gibt es unzählige Übungen und Möglichkeiten, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren, wie z.B. verschiedene Meditationen (achtsam atmen, ein Mantra wiederholen, body scan) oder Genusstraining. So ist eigentlich für jeden Menschen etwas Passendes dabei. Eine ganz einfache Übung für den Anfang verlinken wir dir hier. Weitere Achtsamkeitsübungen, mit verschiedenen Schwerpunkten, erfährst du nächste Woche.

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Christin Thedens
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