08.08.2022

Abgrenzung – Wie du damit umgehen kannst, wenn dein:e Partner:in eine Angststörung hat

Millionen von Menschen leiden weltweit an einer psychischen Störung. Die Angststörung stellt dabei die häufigste psychische Erkrankung dar. Allein in Deutschland leiden etwa 12 Millionen Menschen an einer Angststörung. Die Angst kann so stark werden, dass diese Auswirkungen auf das Sozialleben, das Arbeitsleben oder den Alltag hat. Doch nicht nur die Betroffenen selber leiden darunter, auch für Partner:innen bedeutet dies häufig eine enorme Belastung. Der Schmerz, eine nahestehende Person leiden zu sehen, Veränderungen in der Beziehung oder die Erwartungen, stark sein und helfen zu müssen, stellen große Herausforderungen dar. Auch wenn du deine:n Partner:in gern unterstützt, kann das sehr belastend sein. Wie du damit umgehen kannst, wenn dir die Angststörung deines oder deiner Partner:in zu viel wird, erfährst du hier. 

Richtig helfen

Es ist verständlich, wenn du deine:n Partner:in bei der Bewältigung einer Angststörung oder anderen psychischen Störung unterstützen möchtest. Das kann zwar auch sinngebend sein, geht aber mit bestimmten Schwierigkeiten einher. Gefahren sind, in der Partnerschaft in ein abhängiges Rollenmuster von Helfer:in und Patient:in zu verfallen, zu viel Verantwortung und zu viele Aufgaben zu übernehmen, das eigene Leben zu vernachlässigen oder auch Schuld- und Schamgefühle sowohl bei Betroffenen als auch den Partner:innen. 

Es ist ganz normal, dass dabei negative Gedanken und unangenehme Gefühle auftreten können und dir auch mal alles zu viel wird. Folgende Tipps können helfen, um eine gesunde Balance aus Selbstfürsorge und Unterstützung zu erreichen, die dich selber und deine Beziehung schützt. 

1. Kommunikation

Ehrlich miteinander sprechen ist in jeder Beziehung das A und O. In Beziehungen, die Belastungen und Veränderungen durchmachen müssen, ist eine offene und liebevolle Atmosphäre besonders wichtig. Ihr solltet über eure Erwartungen und Wünsche in der Beziehung sprechen, sodass ihr am selben Strang zieht. Es kann hilfreich sein, die eingenommenen Rollen zu besprechen und zu klären, wir ihr miteinander umgegehen möchtet. 

2. Unabhängigkeit und Selbstfürsorge 

Ihr seid zwar Partner:innen, doch gleichzeitig solltet ihr lernen euch selber und den oder die andere:n anzuerkennen als unabhängigen Menschen mit eigenen Gefühlen, Erwartungen, Bedürfnissen und Wünschen. Diese werden sicherlich nicht immer übereinstimmen und jede:r braucht auch Zeit für sich. Dabei sollte die psychische Störung auf keinen Fall der Lebensmittelpunkt sein oder dein Leben bestimmen. Versuche also, auch Zeiten einzubauen, in denen es nicht um die Erkrankung geht, du etwas Abstand gewinnst und dich ablenken kannst. 

Sorge für dich, indem du auf deine Bedürfnisse und Grenzen hörst und kommunizierst, wenn es dir zu viel wird. Du darfst “Nein” sagen und dir Zeit für dich nehmen. Abschalten kannst du vielleicht durch Yoga, Entspannungsübungen, einem heißen Bad oder deiner Lieblingsmusik beim Spazierengehen. Gehe unbedingt auch weiterhin deinen Hobbys nach, triff dich mit Freund:innen und tu dir regelmäßig etwas Gutes! Neben Ablenkung kann es helfen, dich anderen nahestehenden Personen anzuvertrauen und sich auszutauschen, denn so verarbeitest du das Erlebte und musst nicht der oder die Starke sein.

3. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Ganz besonders hilfreich kann es sein, sich mit anderen Personen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie du. Es gibt dafür extra Anlaufstellen, wie Beratungen für Angehörige, Workshops oder Selbsthilfegruppen für Angehörige von Menschen mit psychischen Störungen. Auf der Seite der Deutschen Angst-Hilfe e.V. findest du Informationen, Hilfsangebote oder Schulungsangebote für Menschen mit Angststörungen und deren Angehörige. Auch der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V. bietet ein breites Spektrum an Seminaren, Informationen und Anlaufstellen für Angehörige verschiedener psychischer Störungen. Mithilfe des Selbsthilfegruppenfinders kannst du genau eingrenzen, wo du was und für wen suchst. 

Ist dein:e Partner:in in psychotherapeutischer Behandlung, kann es hilfreich sein, wenn möglich, mal in die Therapie mitzukommen. Es ist häufig einfacher, Wünsche und Erwartungen mit Unterstützung von professionellen Therapeut:innen zu äußern. Hier kann auch über die psychische Störung generell aufgeklärt werden und wie ihr am besten gemeinsam dagegen angeht. Auch eine Paarberatung kann helfen, wenn sich die Beziehung verändert hat und ihr mal nicht weiter wisst. Und wenn es dir selber schlecht geht, du dich überfordert, erschöpft, hilflos oder ratlos fühlst, ist es immer auch hilfreich, selber professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Eine psychische Störung kann eine große Belastung für Betroffene und Angehörige darstellen und Herausforderungen für die Partnerschaft mit sich bringen. Trotz des Wunsches, eine Hilfe zu sein und zu unterstützen, solltest du darauf aufpassen, dich selber nicht aus den Augen zu verlieren. Denn auch Unterstützung geht am besten mit genügend Kraft und Geduld. Achte auf dich und deine Bedürfnisse, tu dir etwas Gutes und schaffe Ausgleich.

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